Anja liest: Miriam Rademacher - Tanz des Mörders

Die Osnabrücker Autorin, Miriam Rademacher, habe ich auf einem "Heimatabend" in der Lagerhalle e.V. kennengelernt, wo sie, neben anderen Autoren, ihre Bücher vorstellte. Mir gefiel die Art, wie die vorlas - denn das will wohl gekonnt sein. Zudem las sie ihre Krimis mit so viel Witz, dass ich unbedingt ein Exemplar erwerben musste. Ich nahm dann auch gleich beide Bände mit. 



Colin Duffot ist ein Tanzlehrer, der sich aus gesundheitlichen Gründen von London aufs Land zurückgezogen hat. Dort erhofft er sich eine ruhige Zeit und seinen Lendenwirbel viel Erholung. In dem kleinen Dorf hat er recht schnell Anschluss gefunden und in dem Pfarrer Jasper Johnson einen guten Freund. Nur leider verliert er grundsätzlich beim Dart gegen ihn - und sie spielen nicht um Geld, sondern um Gefälligkeiten. Colin schuldet dem Pfarrer also schon eine Menge. Diesmal soll er eine alte Dame besuchen. Agatha Summers wohnt in einem Cottage auf dem Hügel und ist unglücklich gestürzt, sodass Colin ihr Gesellschaft leisten soll. Schon kurz nach seiner Ankunft stellt er fest, dass die alte Dame die verhassteste Dorfbewohnerin überhaupt ist. Sie selbst hasst alles und jeden und schnüffelt in den Leben der anderen Leute herum.

"Hier hockte diese alte Spinne und starrte durch die Linsen ihres Fernglases direkt in das Leben anderer Leute hinein. Colin versuchte, sich statt in Ärger in Mitgefühl hineinzusteigern. Mitgefühl für eine Frau, deren eigenes Leben so langweilig war, dass sie ihre Aufmerksamkeit ganz auf ihre Nachbarn gelegt hatte. Sein sich ständig beschleunigender Puls machte ihm klar, dass es ihm nicht gelingen würde."

Es kommt, wie es kommen muss: Als Colin sie am nächsten Tag besuchen will / muss, findet er ihre Leiche... WER WAR´S?

Gemeinsam mit dem Pfarrer Jasper und der Krankenschwester Norma macht sich Colin auf die Suche nach dem Mörder. Dabei entpuppt sich der Pfarrer als abenteuerlustiges Schlitzohr, Norma als furchtlose Einbrecherin und Colin... als Tanzlehrer.


Miriam Rademacher erzählt den Krimi spannend und mit viel Witz. Es gab einige Passagen bei denen ich herzlich gelacht habe. Dabei zeichnet sie ihre Charaktere so liebevoll und stimmig, dass sie einem auf unbedingt sympathisch sein müssen, oder man hasst sie eben. Die Autorin hat anscheinend ein sehr gutes Auge für die Gewohnheiten und die Charakterzüge ihrer Mitmenschen, so ist es ihr möglich, all die unterschiedlichen Personen in ihrem Buch sehr detailreich und glaubwürdig zu präsentieren. 

Die Kapitel des Romans sind allesamt nach Tanzrichtungen benannt, die gut zum Thema oder zur Entwicklung passen: Hustle - eins führt zum anderen; Quickstep - wenn der Rhythmus dich jagt; zum Beispiel. Das macht die Sache nicht nur sympathischer, sondern lässt auch gleich erahnen, was man in dem jeweiligen Kapitel zu erwarten hat.

Die Geschichte ist wirklich spannend. Nach und nach werden Leser Häppchen zugeworfen, die zur Lösung des Falls beitragen KÖNNTEN. Man selbst ist fleißig dabei mit zuraten, obwohl man sehr oft auf die falsche Spur gerät. Der Mörder findet sich dann schon beinahe zufällig. Das Ende ist wirklich spannend, es gibt sogar eine wilde Verfolgungsjagd (Quickstep). Auf die Lösung, wer der Mörder sein könnte, bin ich auch erst kurz vorher gekommen - als leidenschaftliche Krimileserin bin ich ja schon sehr erprobt im Finden des Mörders, aber hier hatte ich wirklich bis zum Schluss nur den Hauch eines Verdachts.

Ein sehr sympathischer Krimi, der einem Spaß macht. Wer außergewöhnliche Ermittler mag und einen leicht schwarzen Humor hat, der wird mit dem Tanzlehrer auf jeden Fall seine Freude haben. Ich habe den zweiten Band bereits gelesen und hoffe, dass der dritte Band bald erscheint.

Zu guter Letzt, möchte ich noch unbedingt auf die außergewöhnlichen Cover aufmerksam machen, von einem sehr talentierten Künstler entworfen wurden:

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