Anja liest: den IKEA-Küchenkatalog

Ich will mir ja nicht vorwerfen lassen, ich würde gar nichts lesen, nur weil ich mich immer noch im Umzug befinde, zwischen Kisten lebe, ständig Sachen suchen muss, mir das Bett mit einer Liegefläche von 1,40m mit zwei Kindern teile und arbeite wie blöd, damit ich mir neue Möbel kaufen kann, weil ich weder Bett, Tisch noch Stuhl habe. Ich lese sehr viel. Nur liegen gerade "Mord im Zeppelin", "Der Prophet" und "Der Galgen von Ty" auf einer Bücherkiste neben meinem Bett und ich habe keine Nerven für auch nur eines davon. Ich lese momentan eben andere Sachen. Und ein besonderes Schriftstück wird zur Zeit sehr akribisch studiert: Der IKEA-Katalog.




Da stehe ich mit einem Maßband vor meiner FAKTUM-Küche und vergleiche die Zentimeter mit METOD und muss erschrocken feststellen, dass sich nicht nur der Name des Küchenprogramms geändert hat. Wieso ist das an mir vorbeigegangen? Und das beste daran ist, dass ich noch bis Januar diesen Jahres Ersatzschränke von FAKTUM hätte bekommen können - wenn ich denn im Januar schon gewusst hätte, dass ich im Juni umziehe. Also gut. Aber da Nahrungsaufnahme nun mal essentiell ist und ich nicht über einer offenen Feuerstelle kochen darf,  beschloss ich, eine neue Küche zu besorgen. Nur die Schränke, die Einbaugeräte kann ich noch behalten.

Und dann stehe ich so vor all den schönen, glänzenden Fronten in der IKEA-Küchenabteilung... und mir fallen ganz plötzlich all die Freundinnen ein, die mit ihrer Küche prahlen. Marmorarbeitsplatte, hochglänzende Fronten, Stein-Keramik-wasweißich-Spüle, versilberte High-End-Mischbatterie. Und ich frage mich, wieso ich so viel Geld in eine Küche investieren sollte, wo ich dafür schon einen guten Kleinwagen bekommen könnte.

Die Küche als Statussymbol.

Bei mir wär´s ja eher der Kleiderschrank. Es ist doch eigentlich schon ganz schön sexistisch, gerade als Frau auf eine Küche als Statussymbol zu bestehen, wo es doch auch ein Auto, eine Stereoanlage, ein Kleiderschrank oder sonst was sein könnte. Vor allem, weil ich so gut und viel koche... hüstel hüstel. Ich gebe dafür ständig mit meinem Auto an.

Dann stehe ich wieder daheim in meiner Küche. Die ist krumm und schief, weil mein Exmann keine Hilfe beim Aufbau zulassen wollte. Die Arbeitsplatte passt da auch nicht so richtig drauf, weil es keine IKEA-Platte ist, sondern aus einem Baumarkt stammt, weil der Exmann meinte, es wäre billiger. Farblich gesehen passt das auch eigentlich gar nicht, aber dem Exmann war es wurscht. Ich stehe also in meiner Küche, über die sich jeder ordentliche Handwerker schlapplachen würde. Ich habe meinen Esstisch und die Stühle verkauft, nirgends ist Platz zum Hinsetzen.

Und da muss ich es einsehen:

Die Küche ist nicht nur ein Ort zum Kochen, sondern zum Zuhause sein. So wie sich die Höhlenmenschen schon um die Feuerstelle versammelt haben, sitzen meine Freundinnen heute an meinem Küchentisch. Ich kann mich an legendäre Küchenpartys erinnern, an Kochabende, an die Weihnachtsbäckerei und an tiefschürfende Gespräche bis Mitternacht. Es kommt nicht aufs Kochen an. Das ist doch nur ein netter Nebeneffekt einer Küche. Es geht ums Lebensgefühl, darum, nach Hause zu kommen, sich hinzusetzen und zu verschnaufen. An der Feuerstelle. In der Küche. Und so wird beschlossen:

Ich will eine schöne Küche haben.
Der Grund, warum ich mit meinem Auto angeben kann.
Fliehkraft ist übrigens etwas, was nicht unterschätzt werden sollte...


Kommentare

  1. Wie Recht du hast. Die Küche ist wie ein zweites Haus. Neben dem Schlafzimmer für mich der wichtigste Raum.
    Aber ich hoffe du hast jetzt schon mehr Zeit zum lesen gefunden, ohne weiter den Ikea Katalog schlecht machen zu wollen xD
    Kommt ja bald der Neue raus xD

    xoxo Vanessa

    AntwortenLöschen

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Anja liest: Robert J. Sternberg - Warum der Gärtner nie auf die Prinzessin hereinfällt

Anja liest: Jojo Moyes - Ein ganzes halbes Jahr

Anja liest: Stefan Wollschläger - Friesenklinik